Vor Ort

Nordrhein

Stark für Industriearbeit

Text & Fotos Leo Kölzer

Mit einem bundesweiten Aktionstag unter anderem in Köln sowie auf einer Großkundgebung in Brüssel: Die Beschäftigten demonstrieren und die IGBCE kämpft für Industriearbeitsplätze in Deutschland und Europa.

Die Sorge um die Zukunft der Industrie und der Arbeitsplätze in Deutschland und Europa wächst. Innerhalb von eineinhalb Monaten haben sich Tausende Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter – darunter Hunderte aus der IGBCE – an zwei großen Protestaktionen beteiligt: Am 15. März bei einem deutschlandweiten Aktionstag für die Industrie, initiiert von IG Metall und IGBCE, und bereits Anfang Februar bei einer Großkundgebung in Brüssel, organisiert vom europäischen Industriegewerkschaftsverband industriAll Europe. Die Botschaft war an beiden Tagen klar: Industriearbeitsplätze müssen erhalten bleiben!

Laut, kraftvoll und bestimmt: die Kundgebungen zur drohenden Deindustrialisierung in Brüssel und Köln.

IGBCE setzt starkes Zeichen

Der von IG Metall und IGBCE initiierte Aktionstag am 15. März unter dem Motto „Mein Arbeitsplatz. Unser Industrieland. Unsere Zukunft.“ mobilisierte bundesweit Beschäftigte und Gewerkschaften. Die IGBCE war mit den Landesbezirken Nordrhein und Westfalen stark vertreten – mehrere Hundert Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter beteiligten sich an den Kundgebungen, insbesondere in Nordrhein-Westfalen, einer Region, die stark von industriellen Umbrüchen betroffen ist.

Die Forderungen der IGBCE waren klar:

  • Verlässliche politische Rahmenbedingungen, um Arbeitsplätze langfristig zu sichern.
  • Massive Investitionen in nachhaltige Technologien, um den Wandel der Industrie zu begleiten.
  • Wettbewerbsfähige Energiepreise für die Industrie.

„Diese Industrie ist das Rückgrat unseres Landes“, betonte Marco Hucklenbroich, Betriebsrat bei Ineos Köln und Redner für die IGBCE auf der Kundgebung in Köln. „Wir brauchen eine klare Strategie, die Standorte schützt, Innovationen fördert und den Beschäftigten eine sichere Perspektive gibt.“

Wir können nicht zusehen, wie unsere Arbeitsplätze verschwinden. Die Politik muss endlich handeln!

Heike Hausfeld

Schulterschluss in Brüssel

Bereits eineinhalb Monate zuvor, Anfang Februar, waren Mitglieder aus beiden Landesbezirken nach Brüssel gereist, um sich mit Gewerkschaften aus ganz Europa zu solidarisieren. Sie beteiligten sich an der Großkundgebung von industriAll Europe, die sich gegen die Deindustrialisierung richtete und eine aktive europäische Industriepolitik forderte.

Heike Hausfeld, seit mehr als zwanzig Jahren in der Chemiebranche tätig, erklärte während der Zugfahrt nach Brüssel: „Wir können nicht zusehen, wie unsere Arbeitsplätze verschwinden. Die Politik muss endlich handeln.“ Auch Youssef Tahiri, Ehrenamtler aus Wuppertal, warnte: „Ohne eine europäische Strategie verlieren wir nicht nur Jobs, sondern auch die Zukunft unserer Kinder.“

An der Place Jean Rey in Brüssel forderten Tausende Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus ganz Europa unter anderem ein Kündigungsmoratorium, um betriebsbedingte Entlassungen zu verhindern, eine Überarbeitung der finanzpolitischen Regeln, um einen nachhaltigen Wandel zu ermöglichen, sowie öffentliche Investitionen in die Industrie, um den Strukturwandel sozial und wirtschaftlich tragfähig zu gestalten. Auf der Bühne sprach auch Alexander Bercht, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IGBCE. „Unsere Industriearbeitsplätze sind das Fundament Europas“, betonte er. „Die Politik muss jetzt aktiv gegensteuern und eine Strategie entwickeln, die Beschäftigung sichert und nachhaltige Technologien fördert.“

Signal für Deutschland und Europa

Die Protestaktionen in Köln, Hannover, Frankfurt, Leipzig und Stuttgart am 15. März sowie die europäische Demonstration im Februar in Brüssel machten deutlich: Die IGBCE-Landesbezirke Nordrhein und Westfalen stehen entschlossen an der Seite der Beschäftigten – in Deutschland genauso wie in Europa. Eine junge Kollegin aus dem Chemiepark in Marl, die in Brüssel dabei war, zeigte sich beeindruckt: „Wir sind unglaublich viele, die für ihre Arbeitsplätze kämpfen, und es sind noch mehr, die uns dabei unterstützen. Jetzt muss die Politik endlich liefern.“

Auch für Heike Hausfeld waren die beiden Demonstrationen der Stärke ein Schritt in die richtige Richtung: „Das war erst der Anfang. Wir kämpfen weiter, bis unsere Stimmen gehört werden“, gab sie die Perspektive vor.