Vor Ort

Nord

Weichen für die Zukunft gestellt

Text Michaela Ludwig

Auf den Bezirksdelegiertenkonferenzen in Oldenburg, Hannover und Südniedersachsen haben rund 240 Delegierte und Gäste über Themen und Anträge der Mitglieder zur zukünftigen Ausrichtung der IGBCE abgestimmt.

Delegierte in Südniedersachsen beraten, stimmen ab und stellen Weichen.

Foto: IGBCE

Den Auftakt der regionalen Konferenzen machte am 8. März der Bezirk Oldenburg, gefolgt von Hannover und Südniedersachsen. Bis Redaktionsschluss diskutierten rund 240 Delegierte aus drei Nord-Bezirken teilweise sehr lebhaft über ihre Anträge und ebneten mit ihren Beschlussfassungen den Weg zum Gewerkschaftskongress im Oktober. In Oldenburg steckte Bezirksleiter Alexander Oyen den Kurs der politischen Gewerkschaftsarbeit ab: „Wir wollen die IGBCE als Ansprechpartnerin Nummer eins zum Thema Energie im Nordwesten etablieren.“ Die Küstenregion entwickle sich zur Energiedrehscheibe Deutschlands: Flüssiggas, Erdöl und Windenergie werden hier angelandet, gespeichert und in benachbarte Bundesländer weitergeleitet.

Überhaupt nahmen die Themen Energie und Energiepolitik viel Raum ein. Im Polit-Talk auf der Delegiertenkonferenz des Bezirks Hannover am 15. März mahnte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil die zukünftige Bundesregierung: „Wir müssen dafür sorgen, dass Deutschland ein starkes Industrieland mit vielen Arbeitsplätzen bleibt. Dafür ist es von zentraler Bedeutung, dass wir wieder zu wettbewerbsfähigen Energiepreisen kommen, in die Infrastruktur investieren und für neue wirtschaftliche Impulse sorgen.“ Der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis erneuerte die Forderung nach einem Industriestrompreis: „Wir müssen die Abgabelast, etwa die Netzentgelte beim Strom, senken.“

Polit-Talk mit Michael Vassiliadis, Ute Neumann (Bezirk Hannover) und Stephan Weil (von links).

Foto: Nico Herzog

Fotobox-Aktion zum Internationalen Frauentag mit Birgit Biermann (Mitte), Antje Schiller (links) und Dörthe Hofer.

Foto: Sven Seeberger

Als prominente Hauptrednerin der Konferenz in Südniedersachsen am 15. März legte Birgit Biermann den Fokus auf sozialpolitische Themen. Die stellvertretende IGBCE-Vorsitzende warnte die künftige Bundesregierung vor einer erneuten Diskussion insbesondere über Karenztage. „Den Beschäftigten wird unterstellt, dass sie nicht zur Arbeit kommen, obwohl sie gesund sind. Diesen Angriff auf das Lohnfortzahlungsgesetz und auf das Geld unserer Kolleginnen und Kollegen lehnen wir ab.“ Eine Gesetzesänderung treffe besonders die unteren Lohngruppen und führe zu sozialer Ungerechtigkeit.

Die Konferenzen sind Orte gelebter Demokratie.

Ralf Becker, Landesbezirksleiter Nord

Landesbezirksleiter Ralf Becker, der alle drei Konferenzen mit einem Grußwort eröffnete, nannte die Delegiertenkonferenzen eine „Zeitenbestimmung“ innerhalb der IGBCE. Diese böten die Möglichkeit, Positionen zu überarbeiten, Prioritäten und Ziele zu definieren. Hier könne man diskutieren, streiten und wieder zusammenfinden. Kurz: „Dies ist gelebte Demokratie.“

Zum Internationalen Frauentag am 8. März verwies Dörthe Hofer vom Oldenburger Bezirksfrauenausschuss auf den Equal-Pay-Day wenige Tage zuvor: „Der Gender-Pay-Gap ist mit 16 Prozent noch immer zu groß!“ Zwar räumte sie Fortschritte ein, doch die reichten bei Weitem nicht aus. „Altersarmut ist noch immer weiblich. Die niedrigeren Einkommen von Frauen führen zu kleineren Renten im Alter, die vielfach nicht existenzsichernd sind.“

Foto: Sven Seeberger

Austausch im Bezirk Hannover.

Foto: Nico Herzog

Die Delegierten in Oldenburg während der Konferenz.

Foto: Nico Herzog

Viele Delegierte nahmen zum ersten Mal ein Mandat für den Bezirk wahr. Meike Sengespeick, Betriebsrätin und Mitglied im Vertrauensleutekörper von Tennet TSO, möchte über die IGBCE Gleichstellungsthemen voranbringen. „Es kann nicht sein, dass Frauen mit Kindern noch immer gefragt werden, warum sie als Mütter in Vollzeit arbeiten. Diese Frage wird keinem Mann gestellt!“ Sie plädiert für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dass dies kein Frauenthema ist, müsse endlich in allen Köpfen ankommen.

Bei Redaktionsschluss standen die Delegiertenkonferenzen der Bezirke Ibbenbüren (22. März), Hamburg-Harburg und Schleswig-Holstein (beide 27. März) noch aus. Nach Abschluss der insgesamt sechs regionalen Konferenzen folgt die Delegiertenkonferenz des Landesbezirks Nord im Mai.