Politik von unten nach oben
In dieser Ausgabe berichten wir über die Delegiertenkonferenzen der Bezirke Mannheim, Stuttgart, Ulm und Karlsruhe. Wir wollten wissen, welche Themen heiß liefen, welche Anträge gestellt wurden und wo es neue personelle Weichenstellungen gab.

Auf der Konferenz des Bezirks Ulm stimmten die Delegierten über zahlreiche Anträge ab.
Foto: Picslocation
Den Auftakt machte der Bezirk Mannheim: Hier diskutierten achtzig Delegierte dreißig Anträge, darunter Positionierungen zu einer stabilen Rente, zur Transformation der Industrie, zum Kampf um sichere Arbeitsplätze und gegen Rechtsextremismus. Im Mittelpunkt stand eine Personalie: Nach zwölf erfolgreichen Jahren als Bezirksvorstandsvorsitzender übergab Frank Gottselig das Ruder an Jens Lehfeldt. „Danke für diese gute, geplante Übergabe“, bemerkte der anerkennend. „Wir können stolz darauf sein, dass du die Arbeit auf so viele Schultern verteilt hast. Wir haben aktive Ortsgruppen und Frauen, eine starke Jugendarbeit und mit dir weiterhin den direkten Draht in den ehrenamtlichen Hauptvorstand.“
Wir werden uns weiterhin offensiv für unseren Industriestandort Mannheim einsetzen.
Jens Lehfeldt, Bezirksvorsitzender Mannheim
Eine große Herausforderung sieht Lehfeldt beim Thema Energieversorgung. So brauche es dringend das notwendige Umspannwerk in Heddesheim, damit eine stabile, sichere Energiezufuhr für die Mannheimer Industrie gewährleistet bleibe.

Foto: Meike Hürster

Wichtige Wechsel der Vorstandsvorsitze gab es in den Bezirken Stuttgart und Mannheim.
Foto: IGBCE
Auch an der Spitze im Bezirk Stuttgart fand ein Wechsel statt: Auf die langjährige Vorsitzende Irmtraud Schneele-Schultheiß, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit großem Dank verabschiedeten, folgte Alexander Knabe. Der Betriebsratsvorsitzende von Munksjö Dettingen will „die Transformation in unseren Betrieben aktiv und mit den Werkzeugen der Mitbestimmung mitgestalten“, nennt er ein Hauptthema des neuen Bezirksvorstands. „Mitbestimmen statt reagieren lautet die Devise.“ Das heiße auch, als Gewerkschaft klare Kante zu zeigen und alles dafür zu tun, ein amerikanisches „Hire and fire“-System zu verhindern. „Ebenso wichtig ist für uns, dass wir die Werte der Demokratie in unseren Betrieben und darüber hinaus verteidigen, sollten diese angegriffen werden“, sagt der ehrenamtliche Handballtrainer, dem gerade die Teamarbeit im Gremium ein Herzensanliegen ist. „Zuhören, motivieren, diskutieren – das ist in unserem Bezirksvorstand etabliert.“
Mitbestimmen statt reagieren lautet die Devise.
Alexander Knabe, Bezirksvorsitzender Stuttgart
Im Bezirk Ulm stimmten sechzig Delegierte über 15 Anträge ab. Darin ging es unter anderem um eine abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren, erhöhtes Elterngeld, die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung und das Recht auf mobiles Arbeiten. Gewählt wurde auch. Neben Delegierten für die Landeskonferenz und den Gewerkschaftskongress im Oktober wurde der Bezirksvorstand neu bestimmt. In diesem sitzen jetzt wieder 14 Vertreterinnen und Vertreter aus den wichtigsten Betrieben und Branchen im Bezirk Ulm sowie den Personengruppen Frauen, Jugend und der Ortsgruppe Göppingen/Eislingen.
Bezirksleiter Julian Liebner verabschiedete die Delegierten und die Gäste nach einer intensiven Konferenz: „Wir stehen in diversen Bereichen vor unterschiedlichen Herausforderungen. Diese zu meistern, wird nicht leicht, aber gemeinsam, solidarisch und aufrecht werden wir das packen.“
Ein großes Thema für die rund siebzig Delegierten und Gäste im Bezirk Karlsruhe war die Unterstützung und die Förderung der Energietransformation. Dies machte der Leitantrag von 27 Anträgen deutlich. Er betonte besonders die Auswirkungen nicht nur in technischer, sondern auch in sozialer Hinsicht auf die Beschäftigten. Die Umstellung auf erneuerbare Energien müsse mit der Schaffung neuer, sicherer Arbeitsplätze einhergehen und dürfe nicht auf dem Rücken der sozial schwächeren Bevölkerungsteile ausgetragen werden, war die Kernforderung.

Auch bei der Konferenz in Karlsruhe kamen viele Anträge zur Abstimmung.
Foto: Dirk Schmitz-Schütz
Die Vertrauensleute von Röchling Medical setzten sich dafür ein, die Rahmenbedingungen für zukunftsfeste Industriearbeit zu verbessern. „Viele Menschen sind aufgrund der unregelmäßigen Arbeitszeiten und möglicher Auswirkungen auf die Work-Life-Balance skeptisch gegenüber Schichtarbeit. Unternehmen müssen diese attraktiver gestalten und können hierfür bei den Entgelten und speziellen Schichtzulagen weiter ansetzen“, wirbt der Betriebsratsvorsitzende Klaus Kreidler. „Denkbare Ansätze könnten zudem flexible Arbeitszeitmodelle und die Möglichkeit sein, Schichten im Voraus zu planen.“
Weil die Konferenz im Bezirk Freiburg nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe stattfand, verschiebt sich die Berichterstattung in die nächste Profil-Ausgabe.